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Die Heilkraft der Sonne
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Das Solar Valley Mitteldeutschland setzt
auf Solarkraft. Quell-Autorin Regina Eisele hat sich vor Ort umgesehen.

Mitten in der Wüste 
– etwa 40 Kilometer von der Hauptstadt des Emirats Abu Dhabi entfernt – wurde jüngst der Grundstein für ein gigantisches Projekt gelegt: Masdar-City will als erste Ökostadt in knapp 10 Jahren ihre 50.000 Einwohner vollständig mit erneuerbaren Energien versorgen. Unter der Federführung des britischen Stararchitekten Sir Norman Foster ist ein ambitioniertes Konzept entwickelt worden. Und die Ölscheichs lassen sich das Prestigeprojekt etwas kosten. 22 Milliarden Dollar wollen sie investieren und denken dabei langfristig. Wenn nämlich die Ölvorräte erschöpft sind, will man weiter im Geschäft bleiben – mit einem Rohstoff, der so schnell nicht zur Neige geht: der Sonnenenergie.
Masdar-City besteht bisher nur als Vision auf dem Reißbrett. In der flachen, ehemaligen Auenlandschaft von Bitterfeld, rund zwei Stunden von Berlin entfernt, ist die futuristische Solarfront des zweitgrößten Solarzellenherstellers Q-Cells schon von Weitem zu sehen. Bitterfeld Thalheim, bedeutender Industriestandort der ehemaligen DDR, war nach der Wende eine Region im Osten, die wie viele abgewickelt wurde. Der Braunkohletagebau wurde eingestellt und hinterließ eine öde Kraterlandschaft und immer mehr Menschen zog es gen Westen. Mit dem neuen Jahrtausend sind wieder Arbeitsplätze und neues Leben in die Region gekommen. In den vergangenen Jahren wurde ein Fabrikgebäude nach dem anderen in Thalheim hochgezogen. Und es wird weiter gebaut. Überall stehen Baukräne, werden Schächte ausgehoben und Hallen hochgezogen. Allein Q-Cells hat seit 2001 vier Fertigungsstraßen für die Solarzellenproduktion in Thalheim errichtet, eine fünfte soll demnächst in Betrieb genommen werden.
60 Prozent der Solarzellen exportiert der weltweit größte Solarzellenhersteller ins Ausland und beliefert weltweit vierzig Länder.

Solarstrom bald billiger als konventioneller Strom?
Bitterfeld ist die Keimzelle von Solar Valley Mitteldeutschland. So nennt sich ein Zusammenschluss der Bundesländer Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Die ‚Sonnenstaaten’ setzen in Forschung, Entwicklung und Produktion ganz auf die Karte Sonnenkraft, in die Solarthermie, der Solarwärme, und vor allem in die Photovoltaik, der Umwandlung der Sonnenstrahlung in elektrische Energie durch Solarzellen. Dabei profitiert die eher sonnenarme Region von ihrer perfekten
Infrastruktur und dem exzellenten Know-how der früheren Industriestandorte. In Freiberg, Jena oder Bitterfeld und Halle sind in den vergangenen Jahren moderne Produktionsstätten rund um die gesamte Wertschöpfungskette entstanden. In dem ambitionierten Projekt sind Firmen von der Verarbeitung des Rohstoffes Silizium bis zur Produktion integrierter Solarzellensysteme mit eigenen Forschungsvorhaben entstanden. Das Fraunhofer Institut begleitet mit seinem Fraunhofer-Centrum für Silizium-Photovoltaik CSP in Halle die industrielle
Entwicklung mit einem besonderen Schwerpunkt in der Erforschung der Gewinnung von kristallinem Silizium.  
Solar Valley ist beim Spitzenclusterwettbewerb des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) als einziges Projekt zum Thema Erneuerbare Energien weitergekommen. In dem Zusammenschluss von Firmen, Universitäten und außeruniversitären Forschungseinrichtungen und dem gemeinsamen Forschungsantrag sehen die Beteiligten eine wichtige Voraussetzung, um die Kosten für die Fertigung von Solarzellen und damit den Strom aus Sonnenkraft entscheidend zu senken. „Durch die Abstimmung in Detailfragen – etwa die minimale Stärke von Siliziumscheiben – ermöglichen wir eine raschere Wettbewerbsfähigkeit von Solarstrom und die internationale Führungsposition,“ sagt Dr. Hubert Aulich, Sprecher des Clusters Solarvalley Mitteldeutschland und Vorstand der PV Crystalox Solar PLC. Je dünner die Scheiben und je effektiver die Umwandlung von Licht in Strom erfolgt, um so billiger wird der Strom aus der Sonne.
Noch ist Solarstrom teuer und Kritiker bemängeln die hohe Förderung durch das Erneuerbare-Energie-Gesetz (EEG), das seit 2000 in Kraft ist. Derzeit wird die über eine Solaranlage eingespeiste Kilowattstunde mit rund 45 Cent subventioniert, Strom aus Windkraft erhält dagegen nur 7 Cent. Aber Dr. Jörg Bagdahn, Leiter des CSP, ist überzeugt, dass „ab dem Jahr 2015 Solarstrom preisgünstiger als konventioneller Strom sein könnte.“

Technologie-Vorsprung im deutschen Solar Valley
Die Novellierung des EEG hat jetzt für die Branche Planungssicherheit gebracht. Diese ist wichtig, denn Deutschland und vor allem die Länder in Solar Valley wollen ihren Technologievorsprung international ausbauen. Derzeit kommen 16 Prozent aller weltweit produzierten Solarzellen aus der Region und die Branche wächst jährlich um 50 Prozent. Sven Teske von Green Peace International sieht eine steigende Nachfrage nach Solartechnologie. Denn mit weltweit steigenden Strompreisen wird Strom aus Sonnenkraft schnell konkurrenzfähig. 30 Prozent des Energieaufkommens entfällt auf Haushaltsstrom. Nach Vorstellung der Experten kann der bald günstig durch Sonnenenergie gedeckt werden. In Deutschland produzieren bereits heute 430 000 Menschen über Solaranlagen Strom, der ins Netz eingespeist wird. Beim Fraunhofer Institut für solare Energiesysteme (ISE) in Freiburg geht man davon aus, dass in diesem Jahr allein 1000 Megawatt Leistung – etwa die Kapazität eines herkömmlichen Kraftwerks – hinzukommen.
Der Markt ist laut Teske bei weitem noch nicht ausgeschöpft. In den sonnenreichen Regionen Südeuropas wird sich die Sonnenenergie schon in ein paar Jahren rechnen. Er sieht in der Photovoltaik außerdem ein immenses technologisches Potential. Solarzellen arbeiten über Jahre nahezu wartungsfrei, stoßen nicht auf ästhetische Widerstände wie etwa Windparkanlagen und die Zellen können in unzähligen Formen und auf unterschiedlichste Flächen aufgebracht werden. Städte wie Masdar-City sind bald vielleicht schon keine Planspiele mehr.







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