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Weingut Graf von Kanitz |
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Bereits erschienene Wein-Tipps von Christian Schneider |
Die Geschichte des Weinguts Graf von Kanitz ist lang, schließlich reichen seine Wurzeln bis ins 13. Jahrhundert. Die neueste Erfolgsgeschichte dagegen ist kurz und knackig: Seitdem Kurt Gabelmann die Verantwortung für Weinberge und Keller übernommen hat, ist die Qualitätssteigerung auf allen Ebenen spürbar. Seit 2004 beweist der VDP-Betrieb, der schon Ende der 1960er Jahre auf ökologischen Anbau setzte und 1992 Mitglied bei ECOVIN wurde, dass auch im äußersten Westen des Rheingaus Rieslinge von exzellenter Qualität produziert werden können. Der 2008er Lorcher Pfaffenwies Kabinett hat völlig zurecht das Finale des Riesling Cups der Zeitschrift „Feinschmecker“ erreicht – unter 348 Konkurrenten, zumeist Spätlesen und „Großen Gewächsen“. Tatsächlich ist dieser Riesling nicht nur ein hocheleganter Wein mit allen Qualitäten, die man sich von einem Rheingauer wünschen kann, er ist für mich ein Phänomen: Ein – so seltsam das klingen mag – „Farbwein“. Beim Verkosten lösen seine Aromen bei mir starke Farbeindrücke aus. „Synästhesie“ heißt dieses Phänomen in der Psychologie. Fangen wir bei der Nase an: Die wunderbar citrischen Töne erzeugen in mir das Bild „Grün“ – was nichts mit Unreife zu tun hat, sondern mit Leichtigkeit und Jugend. Sobald ich den Wein auf der Zunge habe, wandelt sich der Farbeindruck ins Gelbe: Da ist zum einen der klassische Rheingauer Honigton, umspielt von Quitte und reiner, heller Beerigkeit. Mein ganzer Gaumen atmet intensiv „Goldgelb“. Im Mittelspiel taucht eine zarte Lavendelnote auf, bevor der Abgang mit einem erneuten Aufblühen der Citruskomponente eingeleitet wird. Der Riesling besticht durch feines Säurespiel (S: 7,4, RZ: 6,3, A: 12,0), bleibt lebhaft auf der Zunge und ist nachhaltig ohne „satt“ zu machen. Ein bestechend schöner Wein, der mit 7,80 Euro auch einen erfreulichen Preis hat. Das Weingut – www.weingut-graf-von-kanitz.de – beliefert gerne Bioläden.
Christian Schneider

