Mit der Erwärmung des Klimas wird das Ungeziefer stark zunehmen und damit auch der Einsatz der Insektizide in der Landwirtschaft. Eine Studie des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) erwartet eine Steigerung bis 2090 um das 23 fache.
Der Kartoffelkäfer stammt ursprünglich aus Amerika und ernährt sich von der Kartoffelpflanze. Innerhalb kurzer Zeit kann er Felder kahl fressen und Ernten vernichten. Die kommerziell anbauenden Landwirte kennen nur eine Hilfe: Insektenvernichtungsmittel (Insektizide). Dabei töten sie nicht nur Insekten, die Stoffe können vor allem über den so genannten Oberflächenabfluss in Flüsse und Bäche gelangen und damit die Gewässer verschmutzen und den Wasserlebewesen schaden. Eine neue Studie des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) hat nun ergeben, dass sich die Situation mit dem Klimawandel in Zukunft verschärfen wird.
Der schlimmste Fall
Die Wissenschaftler verglichen die Menge der eingesetzten Insektizide im Verhältnis von 1990 mit Szenarien zum Klimawandel im Jahr 2090. „Bei den zu erwartenden Klimaveränderungen haben wir jene Werte genommen, die der Weltklimarat IPCC 2007 als sogenanntes A1B-Szenario veröffentlicht hat. Damals war das ein Worst-Case-Szenario, das mit einem Anstieg der globalen Mitteltemperatur um 2,8 Grad am Ende des 21. Jahrhunderts rechnete“, erklärt Dr. Matthias Liess, Experte für Ökotoxikologie vom UFZ. Mit der Erhöhung der Temperatur können sich Insekten schneller vermehren und besser überwintern. Das führt wiederum dazu, dass mehr Insektizide zum Einsatz kommen – bis zu 23-mal mehr, wie die Studienergebnisse ergaben.
Möglichkeiten zur Reduzierung
Um das zu verhindern, empfehlen die Wissenschaftler deshalb, den Einsatz von Pflanzenschutzmittel drastisch zu reduzieren. Damit Insektizide und Fungizide (Mittel gegen Pilze) weniger Chancen haben, in die Gewässer zu dringen, wäre es auch sinnvoll, einen Randstreifen am Gewässerrand zu errichten. So könne die Menge von Pestiziden reduziert werden, die durch Regen vom Acker in den Fluss gespült werden. Diese Pufferzonen könne auch als Zufluchtsort für bedrohte Arten dienen, in der sie sich die Population erholen kann. In Dänemark zum Beispiel sind solche Randstreifen an der Tagesordnung. „Hier ist die Insektizidbelastung viel geringer als beispielsweise in Deutschland“, erklärt Liess.
Sind Mineralwässer auch betroffen?
Der Oberflächenabfluss, der
Schwerpunkt der Studie war, ist jedoch nicht das einzige Problem:„Es gibt noch andere
Wege, wie die Giftstoffe ins Wasser gelangen. Beispielswiese kann Regenwasser in
die Erde sickern und Quellen kontaminieren“, zeigt Liess auf. Dabei seien
weniger die wasserunlöslichen Insektizide und Fungizide das Problem, sondern
viel mehr das wasserlösliche Herbizid, ein Mittel gegen Unkraut. Doch Liess gibt
Entwarnung: Von der Verschmutzung seien lediglich Quellen betroffen, die zum
einen nah an landwirtschaftlich genutzten Flächen sprudeln und zum anderen aus
Oberflächenwasser gespeist werden. Tiefe Quellen kämen mit den Giftstoffen nicht
in Berührung. Unsere Mineralwässer bleiben uns also voraussichtlich auch in 80
Jahren noch erhalten.
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Bildquelle: UFZ, Jürgen Hust

