Wer kennt sie nicht, die mahnenden Worte von Umweltratgebern öfter zu duschen statt zu baden oder sich wassersparende Haushaltsgeräte anzuschaffen. Doch wie viel Sinn machen solche Aktionen eigentlich?
Keinen, erklärt der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft e.V. (BDEW). Denn erstens ist Deutschland ein wasserreiches Land. Es verfügt über eine sich jährlich erneuernde Wassermenge von 188 Mrd. Kubikmetern, von denen für die öffentliche Wasserversorgung gerade einmal 2,7 Prozent genutzt werden. Kein Grund also, knauserig zu sein. Zweitens ist die Wasserwirtschaft in Deutschland lokal organisiert. Unsere Versuche, Wasser im Haushalt zu sparen, haben daher keinen Einfluss auf die Wassermangelgebiete der Welt. Drittens sind die Deutschen mit einem Pro-Kopf-Gebrauch von 121 Litern pro Tag schon echte Wassersparprofis. Der BDEW warnt, dass weiter rückläufige Durchschnittsgebräuche zu hygienischen und ökologischen Belastungen führen könnten.
Globales Wasser sparen mit der Kaufentscheidung
Trotzdem sollte der weltweite Wassergebrauch verringert werden, jedoch mit anderen Methoden. Das so genannte „Virtuelle Wasser“ gibt Auskunft darüber, wie viel Wasser ein Produkt benötigt. Ob Lebensmittel, Kleidung oder Gebrauchsgegenstände - stets bedarf es Wasser um diese herzustellen, beispielsweise für die Reinigung oder zur Aufzucht von Pflanzen und Tieren. Zieht man Bilanz, verbraucht der Deutsche pro Tag etwa 4000 Liter Wasser, das aus allen Teilen der Welt kommt. Um seinen globalen Wasserfußabdruck effektiv zu reduzieren, kann der Konsument bewusst auf das virtuelle Wasser eines Produktes achten. Allgemein gilt: ein Produkt ist umso problematischer, je mehr virtuelles Wasser es enthält.
Die Unterschiede erkennen
Allerdings bedeutend ein großer Wasserfußabdruck nicht gleichzeitig, dass das Produkt problematisch ist. Man muss stets das Klima der Region mit beachten, so wie die folgenden Beispiele zeigen: Kakao wird hauptsächlich aus Äquatorialafrika nach Deutschland importiert. Der Kakaobaum wächst im Tropenklima mit ganzjährig reichlichem Niederschlag und braucht so kaum eine zusätzliche Bewässerung. Der Wasserfußabdruck von Kakaobohnen beträgt etwa 19.928 Liter pro Kilogramm, besteht jedoch nur aus grünem Regenwasser. Auf der anderen Seite stehen südspanische Erdbeeren. Für 1 Kilogramm dieser Früchte werden 209 Liter Wasser gebraucht. Doch aufgrund des trockeneren Klimas, müssen die Erdbeeranbauer ihre Beete zum Großteil künstlich bewässern. Im Anbaugebiet der spanischen Region Huelva holen sie sich ihr Wasser aus den Zuflüssen und dem Grundwasser des Schutzgebiets „Coto de Donana“ – einem unersetzlichen Naturreservats.
Sind Bio-Lebensmittel die bessere Wahl?
Derzeit ist das Kriterium „nachhaltiger Umgang mit lokalen Wasserreserven“ nicht Bestandteil des Bioanbaus. Gemüse kann also trotz EU-Bio-Siegel einen ähnlich hohen Wasserfußabdruck haben wie konventionell erzeugtes. Aber Bio zu kaufen lohnt sich trotzdem, da die Gewässerverschmutzung durch den Einsatz von synthetischen Düngemittel wegfällt.
Tipps, wie man
wassersparend einkauft:
http://virtuelles-wasser.de/virtuelles_wasser.html
Online-Rechner zum Wasserfußabdruck:

