|
|
QC24L05 | |
| Link | Sonnen- und Mondfinsternisse: Kosmische Schattenspiele | |
| Link |
Polarlichter: Wenn der Himmel in Flammen steht | |
| Link | Lichtspuren am Himmel | |
| Link |
Vom Götterzorn zur Hochspannung am Himmel | |
| Link |
Der Einfluss des Wetters auf den Menschen | |
| Foto | Andreas Walker |
Am 6. Juni 2012 kommen wir in den Genuss eines himmlischen Schauspiels, welches sich maximal zweimal pro Jahrhundert ereignet. Unser Nachbarplanet Venus wandert von uns aus gesehen genau vor der Sonne durch. Von Dr. Andreas Walker.
Ein Durchgang der Venus vor der Sonne gehört zu den sehr seltenen astronomischen Ereignissen. Es ist im 21. Jahrhundert noch die einzige Möglichkeit, diesen sogenannten Venustransit zu verfolgen. Im 20. Jahrhundert fand kein einziger Venustransit statt. Das Spektakel ist bereits bei Sonnenaufgang sichtbar. In der rotgelben aufgehenden Sonne wird oben rechts eine kleine schwarze Scheibe vor der Sonne zu sehen sein. Es ist unser innerer Nachbarplanet Venus, der im Gegenlicht der Sonne sichtbar wird. Danach wird es noch über eine Stunde dauern bis die Venus vollständig an der Sonne vorüber gezogen ist. Um 6.55 Uhr wird das faszinierende Naturschauspiel zu Ende sein.
Venus als Abend- und Morgenstern
Die Venus umkreist die Sonne innerhalb der Erdbahn in nur 225 Tagen. Am Himmel kann man unseren Nachbarplaneten deshalb nur vor Sonnenaufgang bzw. nach Sonnenuntergang beobachten. Deshalb wird die Venus auch als Morgen- bzw. Abendstern bezeichnet, da sie wegen ihrer großen Helligkeit am Nachthimmel sehr auffällig ist. Diese Bezeichnung ist zwar astronomisch gesehen falsch, denn die Venus ist ein Planet und kein Stern. Die Sterne sind alle Sonnen, die oft viel grösser sind als unsere Sonne.
Die Venus überholt alle 584 Tage die Erde auf der Innenbahn. Dabei stehen von der Erde aus gesehen Sonne und Venus in gleicher Richtung. Da die Venusbahn jedoch um ca. 3° gegenüber der Erdbahn geneigt ist, führt nicht jede dieser so genannten unteren Konjunktionen zu einem Venustransit. Meistens läuft die Venus von der Erde aus gesehen südlich oder nördlich an der Sonnenscheibe vorbei.
Erste Transite im 17. Jahrhundert vorausberechnet
Aus verschiedenen Gründen konnten diese Transite in der Vergangenheit ausschließlich von Berufsastronomen beobachtet und ausgewertet werden. Johannes Kepler sagte 1627 die ersten Transite für die Planeten Merkur und Venus voraus und der junge Halley erkannte 1677, dass sich mit der genauen Beobachtung des mehrstündigen Vorübergangs der Venus vor der Sonnenscheibe die Entfernung der Erde von der Sonne viel genauer berechnen lässt.
Edmond Halley (1656 bis 1742) war ab 1720 königlicher Astronom in Greenwich. Er berechnete Kometenbahnen (z.B. Halleyscher Komet), erforschte den Erdmagnetismus, entdeckte die Eigenbewegung der Sterne und erstellte Sternkataloge. Den vorausberechneten Venustransit von 1769 hat er jedoch nicht mehr erlebt. Der Venusdurchgang vom 3./4. Juni 1769 wurde damals von mehreren Beobachtern verfolgt und anschließend ausgewertet. Captain Cook segelte wegen dieses Ereignisses in die Südsee.
Häufigkeiten der Transite von Merkur und Venus
Im Durchschnitt zieht der Merkur 13-14-mal pro Jahrhundert an der Sonne vorüber, während die Venus gerade ein- bis zweimal pro Jahrhundert vor der Sonne zu sehen ist. Der letzte Merkurdurchgang fand am 7. Mai 2003 statt und war in voller Länge bei uns sichtbar. Der nächste für uns sichtbare Merkurtransit wird am 9. Mai 2016 zu beobachten sein.
Der letzte Venusdurchgang vor der Sonne fand am 8. Juni 2004 statt. Nach dem Venustransit vom 6. Juni 2012 dauert es über ein Jahrhundert, bis sich dieses Ereignis wiederholt. Am 11. Dezember 2117 – allerdings von uns aus gesehen in der Nacht – passiert die Venus wieder unser Muttergestirn.
Der Beginn des nächsten für uns sichtbaren Venustransits nach dem 6. Juni 2012 ist erst wieder für den 8. Dezember 2125 angesagt. Allerdings kann auch nur der Anfang beobachtet werden. Erst im Jahre 2247 wird in Europa wieder ein vollständiger Venustransit zu sehen sein.

